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Ich lebe seit 12 Jahren ohne Geld und reise durch die Gegend. Ich habe keine Wohnung, neuerdings habe ich eine Krankenversicherung und bekomme auch meine Rente, aber das Geld verschenke ich zum größten Teil. Ich bin 66 Jahren alt und bin dabei zu gucken, was mit unserem System ist und wo es Ansätze in der Welt gibt, wie etwas verändert werden kann.

Was war das damals für eine Motivation, die dich zu diesem Schritt bewegt hat?

Ich habe zwei Motive. Einmal die Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Das weiß man ja auch, diese ganz reichen Menschen, auf der anderen Seite Leute, die verhungern. Das kann man ja nicht aushalten. Das andere ist die Würde des Menschen. Also, wenn man nichts hat, ist man auch nichts wert, das ist aus meiner eigenen Erfahrung. Ich war ja mal Flüchtling und da war man Lumpenpack und da hat sich wohl alles aufgebaut. Als Kind habe ich mir gewünscht zu beweisen, der Mensch ist etwas wert, auch wenn er kein Geld hat. Ich habe  schon 4 Mal versucht, aufzubauen, wo ich jetzt bin und immer musste ich zurück. Aber diesmal nicht. Diesmal habe ich eine Idee, wie es weitergehen kann.

Und welche Idee hast du da?

Die Idee ist eben dieser Aufkleber. Den Aufkleber habe ich schon seit 5 Jahren und der heißt: „Gib und Nimm“. Da ist eine Spirale drauf und diese Spirale wurde früher in Matriarchaten sehr häufig als Symbol genutzt. In dieser neuen Welt geht es auch um die neue Weiblichkeit. Die weibliche Kraft, das heißt ja, der Weg nach Innen und das Kreative und Schöpferische. Dann gibt es noch diese 4 Farben. Grün steht für raus finden, wer bin ich wirklich, was will ich in meinem Leben, was brauche ich. Wenn wir das rauskriegen. Warum brauchen wir ein dickes Auto, wir brauchen doch nur etwas, das uns von a nach b bringt, fertig. Ich habe in diesen 12 Jahren gemerkt, ich brauche so wenig. Das zweite, das Gelbe heisst, vom ich zu du. Warum ärger ich mich über jemanden, warum kann ich nicht sagen, alle Menschen sind doch in Ordnung. Nein, da gibt es den, den finde ich zum kotzen und den finde ich ganz schrecklich.

Ich bin Psychotherapeutin in meinem letzten Beruf gewesen und behaupte, das jeder Mensch ein Spiegel ist.  Wenn ich bei mir selber irgendwas nicht sehen will. Der andere begegnet mir, damit ich etwas lerne. Ich sage, die anderen Menschen sind keine Fein- de, sondern Lehrer und die, die ich am schlimmsten finde, sind meine besten Lehrer. Das dritte ist die politische Säule. Wenn wir kein Geld mehr benutzen und das wird ja bald kommen, sage ich, dann müssen wir aber so verantwortlich mit uns und mitein- ander und auch mit der Erde umgehen, dass wir wirklich sehen, was gebraucht wird. Das ist das politische Engagement, womit ich nicht das Parteipolitische meine, sondern wach sein, und gucken was passiert. Die vierte Säule - das ist meine Tragende. Das ist die Spirituelle, wobei ich jetzt nicht sage, ich muss jetzt immer in die Kirche renn und beten. Aber ich muss schon wissen, dass es eine geistige Welt gibt und das alle miteinander verbunden sind und wenn ich an mir arbeite tue ich es für die ganze Welt. Es gibt diese „Gib und Nimm“-Häuser. Das mache ich jetzt verstärkt. Es gibt ganz viel Leute, die alleine in einem einem Haus wohnen und das eigentlich gar nicht wollen. Da ist so ein Haus, ein oder zwei Personen wohnen darin und haben Platz, mindestens ein Bett für jemanden, der da vorbeikommen kann und die müssen natürlich auch neugierig auf andere Menschen sein und sagen, da kann gerne mal jemand eine Weile bei mir wohnen. Die Leute müssen nichts bezahlen, aber sie tun etwas für das Haus. Und da habe ich diesen Aufkleber. Den muss ich dann natürlich bekannt machen und sagen, dieser Aufkleber steht für ein spannendes, abenteuerliches neues Leben in Of- fenheit. Jahrelang war ich enttäuscht, das die Leute dann immer sagen, du kannst gerne kommen, aber die anderen will ich nicht. Das finde ich schade, wir sollen ja neugierig sein. Jeder hat was zu geben und jeder ist eine Bereicherung. Wenn wir das wissen, dann ist das so spannend. Kannst du dir denn wirklich eine Welt ohne Geld vorstellen? Natürlich kann ich mir das vorstellen. Und das stelle ich  mir schon seit zig Jahren vor. Ich habe mir immer vorgestellt, man geht in einen Laden - es muss sich gar nicht so viel verändern - nimmt sich etwas, bedankt sich und geht und jeder weiß, ah ha, die macht bestimmt irgendwo etwas anderes. Das geht nicht von Heute auf Morgen. Es gibt ganz viele Studien, die besagen, das für alle alle alle genug da wäre. Was machen sie? Diese ganze Fleischgeschichte, in Argentinien, das ganze Land ist für die Rinder, nicht für die Menschen. Jetzt fangen sie auch noch an Benzin aus Mais zu machen usw. Weißt du alles. Die Menschen stehen nicht mehr im Mittelpunkt. Das finde ich schon sehr schade. Aber ok, darum mache ich das alles. Weil ich das alles sehe und weiß, es würde ganz anders gehen. Auch wenn ich belächelt werde. Natürlich werde ich belächelt, ist ja klar. Das kann sich ja keiner vorstellen. Aber wenn du früher gesagt hast, die Mauer wird mal fallen, haben sie dich auch belächelt. Es gibt keinen Mangel an Dingen, sondern es gibt Mangel weil wir Geld haben. Weil du nicht genug Geld hast, kannst du dir die Sachen nicht holen. Aber sie sind ja da. Die Sachen sind alle da. Der Mangel entsteht durch das Geld. Ich will jetzt nicht das Geld verteufeln, das war auch prima die letzten hunderte von Jahren. Es war ja eine sehr große Moti- vation, die Leute haben erfunden und gemacht, aber das kapitalistische System kann ja gar nicht so weiter gehen. Diese immer mehr und mehr. Schon allein Erdöl ist bald alle. Aber egal. Leuchtet ja jedem ein. Und es wird ja auch noch weiter krachen. Ich sage immer nächstes Jahr. Jetzt haben wir noch die Chance, eine Parallelwelt zu schaffen. Da müssen wir nicht ins Drama und ins Chaos. Das wäre ein schöner Übergang. Aber ich weiß, es ist sehr idealistisch und ich heiße Schwermer. Aber ich darf das.

(1.11.2008)


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Heidemarie